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Strategische Parasitenbekämpfung
Erzeugergemeinschaft bekämpft Schweineparasiten erfolgreich mit neuer Strategie
EinleitungDie Sarcoptesräude und der Spulwurm sind unter den üblichen Haltungsbedingungen die wirtschaftlich bedeutsamsten Parasiten des Schweines. Minderleistungen von mehr als 10 % sowohl in der Futterverwertung als auch in den Tageszunahmen sind bei befallenen Mastschweinen wiederholt gemessen worden und schmälern den Gewinn empfindlich. Eine konsequente Parasitenbekämpfung setzt darum bereits am Ursprung der Infektionskaskade, in der Ferkelerzeugung an. Ähnlich wie bei der flächendeckenden Mykoplasmen Impfung suchen Erzeugergemeinschaften nach einer einfachen, aber wirkungsvollen Strategie der Parasitenbekämpfung, um trotz der Vielzahl von Mitgliedern eine einheitliche Ferkelqualität anbieten zu können. Aus Rheinland-Pfalz kommt folgendes Beispiel:
Eine vergleichsweise günstige und effektive MethodeAb Februar 1999 wurde in einer Gemeinschaft von insgesamt 12 Ferkelerzeugern überprüft,
welche Auswirkungen eine koordinierte Parasitenbekämpfung auf die Aufzuchtleistung
der etwa 1200 Sauen hat. Was wurde geändert? Zunächst wurde in Zusammenarbeit
mit dem Schweinegesundheitsdienst und den Betreuungstierärzten ein Behandlungsplan
erstellt. Die bisher üblichen Behandlungen der Sauen jeweils vor dem
Abferkeln (zyklusorientierte Behandlungen) wurden aufgegeben. Statt dessen
wurde in den Betrieben die Behandlung des gesamten Elterntierbestandes
im Abstand von 6 Monaten eingeführt. Es wurde festgelegt, dass zukünftig
alle Betriebe im Februar und im Juli diese Bestandsbehandlung durchführen,
damit Ferkel mit möglichst einheitlichem Parasitenstatus verkauft werden
können. Zum Einsatz kam ein Endektozid, das sich aufgrund der langen
Wirkungsdauer gegen Räude und Würmer und wegen der guten Verträglichkeit
für die Behandlung der Elterntiere in Intervallen von 6 Monaten anbietet.
Der Medikamentenaufwand wurde in dieser Untersuchung um
Die auffälligste klinische Verbesserung war beim Juck- und Kratzverhalten der Sauen bereits 14 Tage nach der ersten Behandlung festzustellen (Bild 1: Kratzindex). Die durch Räude verursachte Unruhe der Schweine führt nicht nur zu einem höheren Erhaltungsbedarf der Sauen, sondern wirkt sich auch negativ auf die Muttereigenschaften aus. Den schwächsten neugeborenen Ferkeln werden die hektischen Kratzbewegungen der Muttersau im Abferkelstand schnell zum Verhängnis.

Erdrückungsverluste in der Säugezeit
| Vorjahr | Versuchsjahr | ||
|---|---|---|---|
| Beobachtete Würfe | 2214 | 2498 | |
| Lebend geborene Ferkel/Wurf | 9,8 | 10,2 | -4,6 % |
| Erdrückungsverluste (%) | 5,8 | 4,8 | -17,2 % |
Die Tabelle bestätigt, dass mit den ruhigeren Sauen im Versuchsjahr die Erdrückungsverluste um einen ganzen Prozentpunkt bzw. in Relation zum Vorjahr um rund 17 % gesenkt werden konnten.
Überraschendes AbheilverhaltenDie räudig veränderte Haut der Schweine brauchte etwa 2 bis 3 Monate bis zur völligen Abheilung. Etwa die Hälfte der Sauen reagierte auf die Behandlung mit einer großflächigen Abschuppung alter abgestorbener Hautpartien (Bild 2: Abheilung). Erst nachdem sich diese Hautschuppen abgelöst hatten oder in der Sauendusche abgewaschen wurden, zeigten sich die Schweine im neuen rosa "Haarkleid".

Zwei Hygienemaßnahmen tragen wesentlich zur erfolgreichen Parasitenkontrolle bei:
- Quarantänestall: Im Laufe des Jahres wird über ein Drittel der Sauenherde durch Jungsauenzukauf ersetzt. Um das Einschleppen von Parasiten zu vermeiden, erhalten die Zukauftiere bei Ankunft die Endektozid-Behandlung im Quarantänestall.
- Sauenduschen: Ein Spulwurmweibchen kann pro Tag mehrere hunderttausend Spulwurmeier ausscheiden. Mit ihrer klebrigen Hülle haften die Eier an der Haut und dem Haarkleid der Sau und infizieren bei einem Stallwechsel die neue Umgebung. Damit wird deutlich, wie wichtig die gründliche Reinigung der Sauen ist, bevor sie z. B. aus dem Wartestall in das gereinigte und desinfizierte Abferkelabteil eingestallt werden. Mit der Sauendusche wird das Risiko einer Spulwurminfektion der s äugenden Ferkel sehr effizient gesenkt.
Die Festlegung von verbindlichen Terminen für die Bestandsbehandlung gegen Parasiten in den Ferkelerzeugerbetrieben hat für eine Vermarktungsorganisation entscheidende Vorteile:
- Durch moderne Endektozide mit Langzeitschutz gegen Räude und Würmer ist das Risiko von Reinfektionen in den Betrieben deutlich gesenkt. Alle zum Verkauf anstehenden Ferkel haben den gleichen Parasitenstatus. Ein Jahr nach Einführung der Bestandsbehandlungen in den Ferkelerzeugerbetrieben untersuchte der Schweinegesundheitsdienst Rheinland-Pfalz Kotproben von 7 Wochen alten Ferkeln. Lediglich bei einem von 20 Ferkeln wurden Spulwurmeier nachgewiesen.
- Die vom Tierarzt ausgestellten Abgabebelege im hofeigenen Medikamentenbuch dienen zur Kontrolle der termingerechten Durchführung der Parasitenbekämpfung. Sowohl für den Landwirt als auch für den Vermarkter der Ferkel wird die Parasitenbek ämpfung überschaubar.
- Cargill, C.F., K.J. Dobson (1979): Experimental Sarcoptes scabiei infection in pigs. II. effects on production. Vet.Rec. 104, 33 –36
- Dobson, K.J., P.R. Davies (1992): External parasites. In: Leman A.D., B.E. Straw, W.L. Mengeling et al (eds): Disease of Swine, ed 7. Iowa State University Press, Ames 679-688
- Kirchner, W. (1998): Untersuchung der Eignung von drei Wirkstoffen in verschiedenen Applikationsformen zur Behandlung der Schweineräude (Sarcoptes suis), Dissertation med.vet., Tierärztliche Hochschule Hannover
