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Circovirus Infektionen

Auf den richtigen Zeitpunkt der Mykoplasmenimpfung kommt es an

Deutsche Schweinehalter hatten in den letzten beiden Jahren mit Gesundheitsproblemen in ihren Ställen zu kämpfen. Studien aus den USA belegen, dass Infektionen mit Mykoplasmen den Schweregrad des PCV2-Virus beeinflussen können. Was diese Erkenntnis für die Mykoplasmenimpfung bedeutet, lesen Sie im anschließenden Bericht aus der Zeitschrift Hessenbauer 36/04.

Oftmals ist das porcine Circovirus (PCV2) der Verursacher allein oder in Kombination mit anderen Erregern. Das porcine Circovirus ist maßgeblich an der Entstehung des sogenannten PRDC, des Komplexes der Atemwegserkrankungen beim Schwein mitbeteiligt. Gegen PCV2 gibt es nach wie vor keine eindeutig erfolgversprechende Therapie, nicht zuletzt weil in den meisten Fällen andere Erreger mitbeteiligt sind, die das Krankheitsbild entscheidend beeinflussen. Wissenschaftler aus allen schweineproduzierenden Ländern streiten sich deshalb über die besten Methoden der PCV2-Bekämpfung.

Zwei bis vier Wochen vor einer möglichen Infektion impfen

Was zum Ausbruch der PCV2-assoziierten Erkrankung (PMWS/PDNS, hochgradige Pneumonien) führt, ist noch immer nicht genau bekannt. Einige Forscher konnten nachweisen, dass Infektionen und Impfungen sowie zootechnische Eingriffe (Kastration, Eiseninjektion, Ohrenmarken einziehen) als Stressoren zeitgleich mit akuten Circovirusinfektionen zum Ausbruch von PMWS führen können. Das A und O der Bekämpfungsstrategien gegen das PCV2 ist deshalb die Durchführung dieser Maßnahmen etwa zwei bis vier Wochen vor dem erwarteten Infektionszeitpunkt mit PCV2. Mit anderen Worten: Wenn die Mykoplasmenimpfung sehr früh innerhalb der 1. Lebenswoche durchgeführt wird, ist diese Impfung zeitlich weit genug weg vom Infektionszeitpunkt mit PCV2. Neben der Änderung des Impfzeitpunktes auf die erste Woche kann auch der Umstieg von einem herkömmlichen Zweimalimpfstoff auf einen so genannten One-Shot Impfstoff ein probates Mittel sein.
Extreme Stimmen forderten in jüngster Zeit die Mykoplasmenimpfung ganz wegzulassen, um jeglichen Stress so weit wie möglich von den Saugferkeln fernzuhalten. Diese Theorie würde jedoch bedeuten, das "Kind mit dem Bad auszuschütten". Mykoplasmen sind die wichtigsten Wegbereiter für virale und bakterielle Atemwegserreger. Auf diese Impfung zu verzichten würde bedeuten, aggressiven Erregern wie zum Beispiel Pasteurella multocida, Actinobacillus pleuropneumoniae, Circovirus und PRRS-Virus Tür und Tor zu öffnen. Um kurzfristig Geld zu sparen insbesondere während der Talfahrt der Schweinepreise, hat so mancher Schweinehalter mit der Mykoplasmenimpfung experimentiert und letztendlich sehr viel mehr verloren als er in die Bestandsimpfung hätte investieren müssen. Eine gut durchgeführte Mykoplasmenimpfung, das heißt die möglichst frühe Impfung aller Ferkel mit der vollen Dosis, ist auch heute noch die wirksamste Prophylaxe.

Foto: mehrere Ferkel

Da Circovirusinfektionen mittlerweile kaum noch im Saugferkelalter stattfinden, sondern eher im Flatdeck und der Mast auftreten, sind Empfehlungen zu späten Impfungen (über drei Wochen) und Eingriffen bei den Tieren kritisch zu überdenken. Für arbeitsteilige Systeme ist es daher ratsam, dass jegliche Impf- oder Managementmaßnahmen spätestens 14 Tage vor dem Umzug der Ferkel in den Aufzuchtbetrieb abgeschlossen sind. Die häufigsten Ko-Erreger der Circoviruserkrankung sind PRRS-Viren, die nach neueren Untersuchungen in gut 50 Prozent der Fälle nachzuweisen sind. Bereits auf Platz zwei folgt mit 35,5 Prozent der Fälle M.hyo, eine Tatsache, die bisher kaum berücksichtigt wurde, die aber von großer Wichtigkeit für das Verständnis der PCV2-Erkrankung ist.

Neue Studien aus den USA

Im Frühjahr diesen Jahres erschien erstmals eine Untersuchung aus den USA, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Mykoplasmen und Circoviren beschäftigt. An der Staatlichen Universität von Iowa wurden Ferkel, die noch nie mit einem der beiden Erreger Kontakt hatten, in vier Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe wurde weder mit Mykoplasmen noch mit Circoviren infiziert, die zweite mit Mykoplasmen, die dritte mit Mykoplasmen und Circoviren und die vierte nur mit Circoviren. Alle Ferkel wurden wöchentlich gewogen und klinisch untersucht. Darüber hinaus wurden Blutproben gezogen und auf die Anwesenheit von PCV2 und Mykoplasmen untersucht. Die erste Hälfte der Ferkel wurde im Alter von neuen Wochen geschlachtet, die zweite Hälfte dann mit elf Wochen. Alle Tiere wurden eingehend untersucht.

Mykoplasmen verstärken das Krankheitsbild der PMWS

Das Ergebnis zeigte, dass die mit Circovirus und Mykoplasmen gleichzeitig infizierte Ferkelgruppe deutlich schwerere klinische Symptome zeigte (Husten, Niesen, Kümmern und Lethargie) als die nur mit Mykoplasmen oder nur mit Circoviren infizierten Gruppen. Diese klinischen Befunde wurden durch die Ergebnisse der Blut- wie auch der pathologischen Untersuchung bestätigt. Ferkel dieser Gruppe hatten die schwersten Lungenschäden, und in diesen Ferkeln wurde auch das meiste PCV2 nachgewiesen. Das Circovirus hatte sich unter diesen idealen Bedingungen stark vermehrt. Dieser Befund ist nicht weiter erstaunlich, denn es ist bekannt, dass diejenigen Ferkel am heftigsten von PCV2 betroffen sind, die bereits von anderen Erregern vorgeschädigt wurden. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse aber auch, wie fatal es wäre, die Mykoplasmenimpfung auszusetzen, um den Ferkeln Stress zu ersparen. In diesem Fall steht die Stresseinsparung in keinem Verhältnis zum Nutzen dieser Maßnahme. Die Mykoplasmenimpfung leistet einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitsstabilität in unseren Schweinebeständen.

Quelle: Hessenbauer 36/2004