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Trockenstellen mit dem Zitzenversiegler
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Weniger Mastitis mit neuer Trockenstelltherapie
Katja Mütze, Dr. Klaus Failing Justus- Liebig-Universität Gießen
Dr. Wilfried Wolter, Regierungspräsidium Gießen
Dr. Michael Zschöck, Landesbetrieb Hessisches Landeslabor

Der Zitzenversiegler sollte nach der Behandlung mit einem antibiotischen Trockensteller in den Strichkanal eingebracht werden.
Das Trockenstellmanagement ist von entscheidender Bedeutung für den
Eutergesundheitsstatus einer Milchkuh.
Mit der Einführung der antibiotischen Trockenstelltherapie bei Milchkühen
konnte in den letzten Jahrzehnten ein wichtiger Grundstein zur Bekämpfung
von Mastitis gelegt werden. Vor allem im Bereich der euterassoziierten Mastitiserreger
(z. B. S. agalactiae, S. aureus) ermöglichte der Einsatz von Langzeitantibiotika,
die zum einen bestehende Infektionen ausheilen und zum anderen einen Schutz
vor Neuinfektionen während der Trockenstehperiode bieten, große
Fortschritte.
Dennoch zählen Eutererkrankungen neben Fruchtbarkeitsstörungen noch immer zu den häufigsten Abgangsursachen von Milchkühen in Deutschland und erschweren das Ziel der Milchviehbetriebe, ihre Produktionskosten zu optimieren.
In vielen Milchviehbetrieben werden heute verstärkt umweltassoziierte Mastitiserreger (z. B. Äskulin-positive Streptokokken, v. a. S. uberis) als Verursacher von Euterentzündungen nachgewiesen.
Eine in Deutschland noch recht neue Trockenstellmethode für Milchkühe stellt die Anwendung eines antibiotischen Trockenstellers in Kombination mit einem internen Zitzenversiegler dar.
Neuere Studien zeigen, dass die alleinige Anwendung von Langzeitantibiotika zum Trockenstellen keinen umfassenden Schutz vor Neuinfektionen in der Trockenstehphase bieten, da trotz antibiotischem Trockenstellen bis zu 60 % der klinischen Mastitiden, die in den ersten 100 Laktationstagen auftreten aus in der Trockenstehperiode entstandenen Infektionen der Milchdrüse resultieren. Dabei nehmen die durch umweltassoziierte Erreger hervorgerufenen Neuinfektionen den größten Anteil ein.
Warum entstehen Infektionen in der Trockenstehphase
Die meisten in der Praxis Anwendung findenden antibiotischen Trockenstellpräparate besitzen in der Regel eine effektive Wirkdauer von nur 4 bis 5 Wochen. Geht die Trockenstehperiode über diesen Zeitraum hinweg, steht eine Kuh in den letzten Wochen vor der Abkalbung ohne effektiven antibiotischen Schutz da, sodass gerade in der Phase des Aufeuterns eine erhöhte Infektionsgefahr der Milchdrüse besteht. Im Zusammenhang mit verschiedenen Stressfaktoren, die in den ersten Wochen nach der Kalbung auf eine Milchkuh einwirken und unter Umständen zur Schwächung ihres Abwehrsystems führen, können dann Erreger, die das Euter während der Trockenstehperiode infiziert haben, in der Frühlaktation eine klinische Mastitis hervorrufen.
Zitzenversiegler ersetzt Keratinpfropf
Einen weiteren sehr wichtigen Aspekt bezüglich des Auftretens von Neuinfektionen in der Trockenstehphase stellt die Beobachtung dar, dass viele der heutigen Hochleistungskühe keinen Keratinpfropf – bzw. diesen erst zu spät - im Strichkanal ausbilden, der als natürliche physiologische Barriere das Eindringen von Erregern in die Milchdrüse der trockenstehenden Kuh verhindert. Bedenkt man, dass der Strichkanal die Haupteintrittspforte für Umwelterreger ist, wird klar, dass diese Viertel mit "offenen Zitzen" eine erhöhte Prädisposition für Neuinfektionen aufweisen.
Den Effekt des Keratinpfropfes soll der interne Zitzenversiegler nachahmen. Die zähvisköse Substanz, bestehend aus Bismutnitrat auf Paraffinbasis wird nach der Einbringung des antibiotischen Trockenstellers in den unteren Teil der Zitzenzisterne appliziert und verschließt den inneren Zitzenkanal wirksam. Er stellt somit bis zur Abkalbung der Kuh eine mechanische Barriere dar, die das Eindringen von Umwelterregern in das Euter erschweren soll. Der Zitzenversiegler ist antibiotikafrei. Nach der Abkalbung wird der interne Zitzenversiegler, der eine gute Verträglichkeit bei Milchkühen aufweist und in Kombination mit jedem antibiotischen Trockensteller angewendet werden kann, durch Herausmelken aus den Zitzen entfernt.
Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass die kombinierte Trockenstellmethode mit Langzeitantibiotikum und internem Zitzenversiegler die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von klinischen Mastitiden in der Frühlaktation (bis zum 60. Laktationstag) im Vergleich zur alleinigen Anwendung eines antibiotischen Trockenstellers ein Drittel oder mehr reduzieren kann.
Ergebnisse einer Feldstudie in Hessen
In einer Feldstudie, an der 12 hessische Betriebe aus dem Einzugsgebiet des Eutergesundheitsdienstes beteiligt waren, wurde nun untersucht, ob ein interner Zitzenversiegler einen zusätzlichen Schutz vor intramammären Neuinfektionen in der Trockenstehphase bieten und somit das Auftreten von klinischen Mastitiden in der Frühlaktation (bis zum 100. Laktationstag) reduzieren kann, wenn er in Kombination mit einem antibiotischen Trockensteller zum Einsatz kommt.
Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem LHL/ Veterinärmedizin (Eutergesundheitsdienst Gießen) und dem Institut für Landtechnik der JLU Gießen durchgeführt. Die statistische Auswertung erfolgte durch die Arbeitsgruppe Biomathematik und Datenverarbeitung (Veterinärmedizin/ JLU Gießen).
In die Studie aufgenommen wurden 136 Kühe der Rasse Holstein Friesian, die zufällig auf zwei Gruppen verteilt wurden:
| Behandlungsgruppe (68 Tiere) : |
antibiotischer Trockensteller + interner Zitzenversiegler (Zitzenversiegler® , Pfizer/ Karlsruhe) |
|---|---|
| Kontrollgruppe (68 Tiere): | antibiotischer Trockensteller |
Hinsichtlich der Entwicklung der Zellzahlen in den ersten 100 Tagen der Laktation ergaben sich sowohl auf Viertelebene (Auswertung von Viertelanfangsgemelksproben zum Zeitpunkt 6 – 14 Tage pp sowie 35 – 56 Tage pp) als auch auf Kuhebene (Auswertung von MLP- Gesamtgemelkszellzahlen) zwischen den beiden Versuchsgruppen keine erheblichen Unterschiede. Betrachtet man jedoch die Ergebnisse des im Zeitraum 1 – 5 Tage nach der Kalbung einmalig durchgeführten Schalmtestes, so zeigen sich innerhalb der Behandlungsgruppe mit 57 positiv reagierenden Vierteln gegenüber 85 Vierteln in der Kontrollgruppe deutliche Unterschiede.
Beim Vergleich des bakteriologischen Status der Euterviertel
nach der Kalbung wiesen Viertel der kombiniert trockengestellten Kühe
(antibiotischer Trockensteller + Zitzenversiegler) tendenziell weniger
Erregernachweise auf als die der alleinig antibiotisch trockengestellten Kühe.
Statistisch signifikante Unterschiede ergaben sich bezüglich des Auftretens
von den zur Gruppe der Umwelterregern zählenden Äskulin-positiven
Streptokokken (z. B. S. uberis) im Zeitraum 35 – 56 Tage nach der Abkalbung.
Die Zahl der mit Äskulin-positiven Streptokokken infizierten Viertel
war in der Gruppe der kombiniert trockengestellten Kühe mit 2 Vierteln
gegenüber 9 Eutervierteln in der Gruppe der Kühe, die nur mit einem
antibiotischen Trockensteller behandelt waren, deutlich geringer.
Im Zeitraum
zwischen Kalbung und 100 Tage post partum wiesen insgesamt 40 Euterviertel
eine klinische Mastitis auf. Während im Versuchszeitraum
in der Kontrollgruppe 25 Euterviertel eine klinische Mastitiserkrankung
durchliefen, lag der Anteil bei den mit antibiotischem Trockensteller und
Zitzenversiegler behandelten Kühe mit 15 an Mastitis erkrankten Vierteln
signifikant niedriger.
Durch den zusätzlichen Einsatz des internen Zitzenversieglers konnte
damit im Rahmen dieser Studie das Auftreten von klinischen Mastitiden in
den ersten 100 Laktationstagen um 40 % gegenüber der alleinigen Anwendung
eines antibiotischen Trockenstellers reduziert werden. Es war zudem auffällig,
dass in der Gruppe der kombiniert trockengestellten Kühe deutlich weniger
klinische Mastitiden mit Allgemeinsymptomen (Fieber) auftraten als in der
Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse dieser Studie machen deutlich, dass die kombinierte Anwendung
von antibiotischem Trockensteller und internem Zitzenversiegler einen noch
effektiveren Schutz vor Neuinfektionen in der Trockenstehperiode bietet
als die alleinige Anwendung eines Langzeitantibiotikums zum Trockenstellen
und somit das Auftreten klinischer Mastitiden in der Frühlaktation reduziert
werden kann.
Abb.: Anzahl infizierter Euterviertel 35 – 56 Tage pp:
| Erreger | AB + Zitzenversiegler | AB |
|---|---|---|
| Staph. aureus | 0 | 2 |
| E. coli | 1 | 5 |
| Äskulin-positive Scc. | 2 | 9 |
| Scc. dysgalactiae | 1 | 1 |
| KNS | 16 | 23 |
(AB: antibiotischer Trockensteller)
Abb 2: Anzahl klinischer
Mastitiden in den ersten 100 Laktationstagen
| AB + Zitzenversiegler | AB | |
|---|---|---|
| klinische Mastitiden mit Allgemeinsymptomen (Fieber) | 1 | 6 |
| klinische Mastitiden ohne Allgemeinsymptome | 14 | 19 |
| Gesamt | 15 | 25 |
Empfehlungen für die Praxis:
Die Anwendung eines antibiotischen Trockenstellers in Kombination mit einem internen Zitzenversiegler scheint besonders in solchen Betrieben Erfolg versprechende Wirkung zu haben, ....
- deren Leitkeime umweltassoziierte Mastitiserreger wie Äskulin-positive Streptokokken (S. uberis) oder auch E.coli darstellen,
- die in den ersten 100 Laktationstagen vermehrt Probleme mit vorwiegend durch Umwelterreger hervorgerufenen klinischen Mastitiden haben, oder
- die ihre Tiere auf Tiefstreu halten.