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Trockenstehperiode

Trockenstehperiode

Erfolgreich arbeitende Milchviehbetriebe haben längst erkannt, dass die Trockenstehzeit nicht etwa das wenig beachtete Ende, sondern der Beginn der nächsten Laktation ist. Richtig trocken gestellte Kühe haben ein geringes Erkrankungsrisiko und zeigen meist zufriedenstellende Leistungen in der anschließenden Laktation. Die im Folgenden näher erklärten Kontrollpunkte sollen Ihnen helfen, diese sensible Phase optimal zu gestalten.

Trockenstellen fängt bei der Besamung an

Foto: Rinder auf der WeideDie empfohlene Dauer der Trockenstehzeit beträgt 6 bis 8 Wochen vor der Kalbung. Eine zu kurze Dauer reduziert die Milchleistung. Zu lange Trockenstehzeiten führen häufig zu übermäßiger Körperkondition und nachfolgend zu Stoffwechselstörungen und schlechter Fruchtbarkeit. Zu lange und zu kurze Trockenstehzeiten kommen immer dann vor, wenn Besamungsdaten nicht exakt aufgeschrieben oder Besamungen durch einen Deckbullen in der Herde übersehen werden. Dokumentieren Sie jede Besamung.

Optimaler Ernährungszustand

Eine Kuh sollte zum Abkalben auf einer Skala von 1 bis 5 die Körperkonditionsnote 3,5 haben. Dann hat sie genügend Reserven für die Hochlaktation, ist andererseits aber nicht zu fett. Im ersten Laktationsdrittel verliert die Kuh an Kondition. Im Laktationsverlauf sinkt ihre Leistung, das Tier kann besser ausgefüttert werden und nimmt zu. Ab dem 150. Laktationstag sollte man die Körperkondition der Tiere in Fütterungsentscheidungen einbeziehen, damit die Tiere bis zum Trockenstellen wieder im Mittel die Note 3,5 erreichen. Tiere, die bis zu diesem Punkt ihr "Idealgewicht" nicht erreicht haben, sollten bis zur Kalbung weder ab- noch zunehmen. Andernfalls erhöht sich das Risiko für Stoffwechselprobleme und die Ausbildung einer Fettleber. Die Körperkonditionsbeurteilung ist einfach und schnell erlernbar. Kurse zur Beurteilung der Körperkondition bieten auf Anfrage Tierhaltungs- und Versuchszentren an. Die Adressen erfahren Sie bei Ihrem Tierarzt oder der Rinderspezialberatung. Empfehlenswert ist eine regelmäßige Bewertung der Tiere im Zusammenhang mit der Milchkontrolle oder bei Routinetätigkeiten am Tier (siehe nachfolgende Tabelle).

Ideale Zeitpunkte zur Beurteilung der Körperkondition

Zeitpunkt Ereignis BCS-Note
Trockenstellen Euterkontrolle,Umstallung 3,25 - 3,75
Frühe Laktation
0 - 30. Laktationstag
31.- 00. Laktationstag
Fieber messen, tierärztliche Untersuchung
Besamung
2,75 - 3,50
2,50 - 3,25
Späte Laktation Klauenpflege  2,50 - 3,25
Regelmäßige Klauenpflege

Foto: Regelmäßige KlauenpflegeIn der Regel sind moderne Milchviehställe mit harten Laufflächen ausgestattet. Die Rinderklaue ist dagegen für weichen Untergrund (Weide, Stall mit Stroheinstreu) geschaffen. Das Laufen auf dem harten Untergrund führt zu einer ständigen Überbelastung, welche durch vermehrtes Klauenwachstum ausgeglichen wird. Zu lange Klauen bringen Fehlstellungen und Klauenerkrankungen mit sich. Lahme Kühe haben meist große Schmerzen und liegen um die Geburt herum deutlich schneller fest. In der Hochlaktation sind dann Futteraufnahme und Milchleistung deutlich reduziert. Die Klauenpflege sollte deshalb zweimal im Jahr durchgeführt werden. Der beste Zeitpunkt dafür ist um die Besamung bzw. in der Spätlaktation oder zum Trockenstellen.

Richtig füttern

Foto: RinderstallDer Fütterung hochtragender Tiere kommt entscheidende Bedeutung im Hinblick auf Fruchtbarkeit und Milchleistung in der folgenden Laktation zu. Folgende Punkte sind zu berücksichtigen:

  • Die Tiere dürfen nicht zu fett trockengestellt werden. Verfettung führt zu Leberschäden, einem gestörten Geburtsablauf, Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsproblemen.
  • Futter niemals abrupt umstellen: Die Pansenbakterien brauchen Zeit, um sich auf eine neue Ration einzustellen. Bei einer plötzlichen Umstellung des Futters kommt es zur Pansenazidose, die verantwortlich für Klauenrehe oder Labmagenverlagerungen sein kann.
  • Kein qualitativ minderwertiges Futter anbieten: Pilzgifte im Futter können je nach Menge zu verschiedenen Krankheitssymptomen oder akuten Vergiftungen führen.
  • Zu Beginn der Trockenstehzeit wird das Energieangebot einheitlich für alle Kühe auf den Erhaltungsbedarf plus 5 bis 8 Liter Milch festgelegt. Die Körperkondition soll annähernd unverändert bleiben.
  • Vorbereitungsfütterung 2 bis 3 Wochen vor der Kalbung: Die Gesamtenergieaufnahme sollte den Erhaltungsbedarf plus 8 Liter Milch nicht wesentlich überschreiten. Der Bedarf an strukturierter Rohfaser muss gedeckt bleiben. Eine langsam ansteigende Kraftfutterzulage (0,5 kg/Tag) dient der Vorbereitung auf die Laktationsfütterung.
Milchproben vorab untersuchen

Foto: Milchproben untersuchenZwei Wochen vor dem eigentlichen Trockenstelltermin sollten Viertelgemelksproben von "verdächtigen Tieren" in einem Milchlabor untersucht werden, um eine bakteriologische Untersuchung durchzuführen und ein Antibiogramm zu erstellen. "Verdächtig" ist eine Kuh, wenn in der letzten Milchkontrolle über 200.000 Zellen (Färsen > 150.000 Zellen) pro ml Milch gemessen wurden. Die Ergebnisse der Untersuchung geben Tierarzt und Landwirt Aufschluss über die Erreger- und Resistenzsituation im Bestand. Die Untersuchung von Milchproben ist die wichtigste Voraussetzung für den tierärztlichen Behandlungsplan und für die Auswahl des für den Betrieb und das Einzeltier "passenden" Trockenstellers.

Den Schalmtest einsetzen

Foto: SchalmtestNur eutergesunde Tiere sollten 6 bis 8 Wochen vor der Kalbung trockengestellt werden. Das Euter muss augenscheinlich unverändert und die Milchbeschaffenheit normal sein (keine Flocken). Bei nicht sichtbaren (subklinischen) Euterentzündungen ist die Milch unverändert, die Zellzahl jedoch erhöht. Ein einfacher im Stall anwendbarer Milchzelltest hilft, diese subklinisch erkrankten und behandlungsbedürftigen Tiere herauszufinden. Dazu werden die Näpfe der Testschale mit der gleichen Menge Milch gefüllt und Testflüssigkeit dazugegeben. Mit steigendem Zellgehalt erhöht sich die Zähflüssigkeit des Gemisches. Als Testergebnis sind vier Aussagen möglich (siehe Tabelle). Entscheidend für die Bewertung des Schalmtests sind die Unterschiede zwischen den Vierteln. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein einheitliches Bild unter den 4 Eutervierteln ein eindeutiges Zeichen für ein gesundes Euter ist. Deutliche Unterschiede zwischen den Vierteln weisen dagegen auf eine Infektion hin. Nur Tiere mit erhöhten Zellzahlen müssen antibiotisch alle anderen können antibiotikafrei trockengestellt werden. Die Ausnahme bilden Problemherden mit Staphylococcus aureus. Hier sollten alle Tiere antibiotisch trocken gestellt werden.

Ergebnisse des Milchzelltests (Schalmtest)

Testflüssigkeit
+ Milch
Ergebnis Bewertung Trockenstellen
Gemisch bleibt unverändert < 100.000 Zellen/
ml Milch
Negativ (-) Ohne Antibiotikum
Gemisch zeigt leichte Schlierenn ca. 400.000 Zellen/
ml Milch
Schwach positiv (+) Ohne Antibiotikum
Gemisch zeigt deutliche Schlieren ca. 800.000 Zellen/
ml Milch
Positiv (++) Mit Antibiotikum
Gemisch verfestigt sich (Gallerte) > 1.000.000 Zellen/
ml Milch
Stark positiv (+++)  Mit Antibiotikum
Mit oder ohne Antibiotika trockenstellen

Foto: EuterDer Einsatz von antibiotischen Trockenstellern ist weit verbreitet. In Mastitisproblembeständen werden damit vor allem zwei Ziele verfolgt: Erstens sollen bestehende Infektionen ausheilen, zweitens Neuinfektionen vorgebeugt werden. In eutergesunden oder Betrieben mit wenig Problemen ist lediglich die Behandlung von Einzeltieren mit mehr als 200.000 Zellen sinnvoll. Um eutergesunde Tiere ohne den Einsatz von Antibiotika vor Neuinfektionen in der Trockenstehperiode zu schützen, kann die Zitze während dieser Zeit von innen verschlossen werden. Zitzenversiegler (englisch: Teat Seal ) werden einmalig zu Beginn der Trockenstehperiode in die Zitze eingebracht und zu Beginn der Laktation ausgemolken.

Checkliste Trockenstehperiode JA/NEIN
Besamungsdaten dokumentiert  
Körperkondition beurteilt  
Klauenpflege durchgeführt  
Anpassung der Fütterung für Trockensteher
und Vorbereitungsgruppe
 
Milchproben "verdächtiger" Kühe bakteriologisch untersucht  
Schalmtest zum Trockenstellen durchgeführt  
Akute Mastitiden vor dem Trockenstellen behandelt  
Entscheidung über das Trockenstellen mit oder ohne Antibiotika
mit dem Tierarzt getroffen
 
Zitzendippen nach dem Trockenstellen  
Kontrolle der Euter 1x pro Woche