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Kalbung

Foto: RinderstallKalbung

Der gute Start in die Laktation setzt eine stressfreie und keimarme Kalbung voraus. Bei ganzjähriger Abkalbung werden pro 50 Kühe zwei Abkalbeplätze benötigt. Stallen Sie niemals euter- oder klauenkranke Tiere in der Abkalbebox auf. Die Bakterien von kranken Eutern und Klauen übertragen sich besonders leicht über die offenen Geburtswege auf frisch abgekalbte Tiere. Auch Tiere mit Gebärmutterentzündung sollten aus dem gleichen Grund in den Krankenstall verlegt werden. Hygiene im Abkalbebereich ist der wichtigste Grundstein für die weitere Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere! Weitere Kriterien für optimale Abkalbebedingungen finden Sie in der folgenden Checkliste:

Checkliste Abkalbebox JA/NEIN
Rechtzeitiges Umstallen vor der Kalbung  
Einzelkalbungen (sind stressfreier und keimarmer als in der Gruppe)  
Wenn Gruppenkalbung, dann maximal 6 Tiere pro Bucht  
10 m² pro Tier einplanen  
Frischluft, keine Zugluft, hell erleuchtet, gut zugänglich  
Sichtkontakt zur Herde  
Nach jeder Kalbung mindestens alle 2 Wochen komplett ausmisten  
Täglich werden 8-12 kg Stroh pro Tier eingestreut  
Einmal jährlich desinfizieren (bei Problemen öfter)  
Tiere haben jederzeit Zugang zu frischem Wasser und Futter  
Flüssigkeit sofort nach der Kalbung anbieten  
Kühe können notfalls zur Behandlung fixiert werden  
Keine Dauerbelegung (Hoher Infektionsdruck)  
NICHT als Krankenstall nutzen!
Geburtshygiene

Foto: Kalbung bei trockener, sauberer und ruhiger UmgebungDie Kalbung sollte in einer trockenen, sauberen und ruhigen Umgebung stattfinden und nach Möglichkeit überwacht werden. Vom Platzen der Fruchtblase bis zur Geburt des Kalbes können bei Kühen bis zu 3 Stunden und bei Färsen bis zu 6 Stunden vergehen, ohne dass Geburtshilfe nötig ist. Greifen Sie also nicht zu früh ein. Vor jedem Eingriff sollte die Scham des Tieres und Hände und Arme des Geburtshelfers gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Wenn Sie Zughilfe leisten, dann nur mit angemessener Kraft und immer mit den Wehen (niemals in den Wehenpausen). Beim Einsatz eines mechanischen Geburtshelfers bedenken Sie, dass er Ihre Kraft um ein Vielfaches verstärkt. Rufen Sie bei Problemen umgehend den Tierarzt zur Hilfe. Bei Nichtbeachtung dieser Grundregeln kann es nicht nur zur Schädigung des Kalbes (Quetschungen, Knochenbrüche) kommen, sondern auch zu Verletzungen, Infektionen und Störungen der Fruchtbarkeit beim Muttertier (Verletzungen des Geburtskanals, Nachgeburtsverhaltung, Gebärmutterentzündung).

Kälber brauchen schnell Biestmilch

Foto: Fütterung von KolostrumNeugeborene Kälber brauchen in den ersten 2 bis 4 Lebensstunden 2 Liter gutes Kolostrum. Zu spät getränkte, zu wenig oder qualitativ minderwertige Biestmilch führen zu niedrigen Antikörperspiegeln im Kälberblut. Solche Tiere haben ein 7fach erhöhtes Durchfallrisiko, wachsen langsamer und haben später nachweislich schlechtere Fruchtbarkeits- und Milchleistung. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Kälber, die in den ersten 12 Lebensstunden unbeaufsichtigt beim Muttertier bleiben, in dieser Zeit nicht genug Kolostrum aufnehmen. Um die kontrollierte, ausreichende Biestmilchaufnahme sicherzustellen, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Kalb wird mehrfach an das Euter der Mutter angesetzt ("assistierte Biestmilchgabe") oder die Kuh wird gemolken und die Biestmilch frühzeitig per Nuckelflasche getränkt. Beide Methoden sind relativ arbeitsintensiv, haben aber den Vorteil, dass die Kälber ihren Saugreflex trainieren, der sie vor nachfolgenden Krankheiten (wie z. B. dem Pansentrinken mit nachfolgenden Fehlgärungen im Pansen) schützt.

Gute Biestmilchqualität

Foto: BiestmilchtesterFoto: Biestmilchtester

Der Immunglobulinspiegel des sogenannten Erstgemelks ist unmittelbar nach der Kalbung sehr hoch und nimmt dann stetig ab. Es gilt der Grundsatz: Die qualitativ beste Biestmilch für das zuletzt geborene Kalb! Gutes Kolostrum kann man einfach und schnell im Stall bestimmen. Dazu taucht man einen Biestmilchtester (Pfizer GmbH) in kuhwarme Biestmilch ein und liest das Messergebnis auf der Farbskala ab. Biestmilch mit unzureichender Qualität sollte nicht zur Erstversorgung neugeborener Kälber eingesetzt werden.

Foto: Biestmilch einfrierenBiestmilch einfrieren

Die Kolostrumqualität von Färsen und zugekauften Tieren ist häufig zu gering, um ein gute Antikörperversorgung der Kälber zu sichern. Ausnahmefälle wie Mastitis oder Tod des Muttertieres können ebenfalls dazu führen, dass schnell Ersatzkolostrum benötigt wird. Für eine sogenannte Kolostrumbank wird Biestmilch von guter Qualität in Plastikbeuteln (0,5 bis 1 Liter) oder Plastikflaschen (z. B. 1,5 Liter Colaflaschen) eingefroren und bei Bedarf schonend in einem Eimer mit warmen Wasser aufgetaut. Das Auftauen in der Mikrowelle auf der untersten Auftaustufe ist ebenfalls möglich. Generell gilt, dass bei Auftautemperaturen über 46 Grad Celsius Immunglobuline zerstört werden und das Kolostrum wertlos wird. In Betrieben mit Paratuberkulose sollte nur Kolostrum von negativen Kühen verwendet werden.

Muttertiervakzination

In Betrieben mit gehäuften Auftreten von Neugeborenendurchfall ist es sinnvoll, die Biestmilch durch die Muttertierimpfung mit Antikörpern "aufzuwerten". Der Impfstoff wirkt gegen die Haupterreger des Kälberdurchfalls (Rota-, Coronaviren, E. coli-Bakterien), kann aber nur dann effektiv schützen, wenn die mit Antikörpern angereicherte Biestmilch unmittelbar in den ersten Lebensstunden getränkt wird und die Wirkung durch optimale Haltungsbedingungen unterstützt wird.