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Besamungszeit

Besamungszeit

Zuerst die Kennzahlen berechnen

Voraussetzung für den Start eines Fruchtbarkeitsprogrammes und die Einführung systematischer Bestandsbetreuung in diesem Bereich ist die Feststellung des Fruchtbarkeitsstatus (IST-Zustand) im Betrieb. Die Berechnung von Fruchtbarkeitskennzahlen ist eine gute Möglichkeit, die Herdensituation objektiv zu beurteilen und den Erfolg von Behandlungsstrategien zu überprüfen. Einige praxisgängige Kennzahlen und die empfohlenen Zielwerte finden Sie in der nachfolgenden Tabelle:

Zielzahlen für gute Herdenfruchtbarkeit

Fruchtbarkeitskennzahlen Ziel
Rastzeit 60 - 80 Tage
Erstbesamungserfolg > 55 %
Besamungsindex 1,5 - 2
Güstzeit 85 - 115 Tage
Abgang wegen Unfruchtbarkeit 7 %
  • Rastzeit (RZ)
    Die Anzahl der Tage zwischen der Abkalbung und der ersten Besamung sollte zwischen 60 und 80 Tagen liegen. Zu Verlängerungen der Rastzeit kommt es immer dann, wenn vermehrt Fruchtbarkeitsstörungen (z. B. Gebärmutterentzündung, Stillbrünstigkeit) auftreten. Eine weite Streuung der Werte kann auf eine unzureichende Brunstbeobachtung hinweisen.
  • Erstbesamungserfolg (EBE)
    Der Prozentsatz beschreibt den Teil der Tiere, die nach der ersten Besamung tragend geworden sind. Formel zur Berechnung: EBE= (Anzahl tragender Tiere nach Erstbesamung ÷ Anzahl Erstbesamungen) x 100.
  • Besamungsindex (BI) 1,5 bis 2
    Darunter versteht man die Anzahl der Besamungen pro Trächtigkeit. Formel zur Berechnung: BI = (Anzahl aller Besamungen ÷ Anzahl aller tragenden Tiere) x 100. Ist der BI zu hoch, kann dies verschiedene Ursachen haben. Beispiele hierfür sind: Fehlgedeutete Brunstsymptome, falscher Besamungszeitpunkt und umrindernde Kühe.
  • Güstzeit (GZ)
    Die Zeit zwischen Kalbung und erfolgreicher Besamung ist die Güstzeit (Zwischentragezeit). Die angestrebte Zielzahl wird mit unter 85 Tagen (ein Kalb pro Jahr) angegeben. Bei einer Jahresmilchleistung über 8.000 kg kann die Güstzeit jedoch einen Wert von maximal 115 Tagen erreichen. Verlängerungen der Güstzeit kommen immer dann vor, wenn vermehrt Fruchtbarkeitsstörungen auftreten oder Betriebe aufgrund der jährlich schwankenden Milchpreise eine saisonale Abkalbung anstreben. Jeder Güsttag jenseits der vorgegebenen Zielzahl kostet den Landwirt jedoch 2 bis 5 € täglich entgangenes Milchgeld. Eine Verlängerung der Güstzeit um 21 Tage (eine nicht genutzten Brunst) bedeutet beispielsweise einen rechnerischen Verlust von 105 € pro Tier.
  • Abgangsrate
    Eine vorzeitig geschlachtete Kuh kostet den Landwirt 500 € (Untersuchungsergebnis). Der Wert errechnet sich aus den Aufzuchtskosten bzw. dem Kaufpreis und der geringeren Einstiegsmilchleistung. Die Kosten stehen dem positiven Zuchtfortschritt des neu eingestallten Tieres gegenüber und übersteigen diesen bei weitem. Eine Abgangsrate wegen Unfruchtbarkeit über 7% vermindert den betriebswirtschaftlichen Gewinn deutlich.
Umsetzung in die Praxis

In der Regel kommt der bestandsbetreuende Tierarzt zu einem vorher vereinbarten Termin auf den Betrieb. Er verschafft sich einen aktuellen Eindruck im Stall und untersucht Tiere mit Fruchtbarkeitsstörungen. Anschließend sammelt er konkret Daten, um Krankheitsraten und Kennzahlen für der Teilbereich Fruchtbarkeit auszurechen. Die Kennzahlen werden im Betriebszusammenhang analysiert, ansonsten besteht die Gefahr der Fehlinterpretation. Die Berechnung der Kennzahlen sollte in einem Betrieb mit über 80 Kühen zweimal im Jahr durchgeführt werden, in kleineren Betrieben reicht einmal pro Jahr aus. In größeren Betrieben kann die Auswertung der Daten mit Hilfe eines Computers die Arbeit wesentlich erleichtern.

Ein Beispiel
Herdenschnitt Ihre Herde Vergleichswert Ergebnis
Rastzeit (RZ, Tage) 75 60 - 80 +
Erstbesamungserfolg (%)  58,0 > 55,0 +
Besamungsindex 1,4 < 2,0 +
Güstzeit (GZ, Tage) 100 85 - 115 +
Abgang wegen Unfruchtbarkeit (%) 11,0 < 7,0 -
Fruchtbarkeitsprogramme

Systematische Fruchtbarkeitsprogramme werden in landwirtschaftlichen Betrieben mit dem Ziel eingeführt, Güstzeiten und Abgangsraten zu reduzieren und den betriebswirtschaftlichen Gewinn im Betrieb zu erhöhen. Sie funktionieren jedoch nur, wenn Haltungs- und Fütterungsmanagement vorab überprüft und optimiert wurden. In der Praxis einigen sich Landwirt und Tierarzt auf ein gemeinsames Konzept, das Rahmenbedingungen für das landwirtschaftliche Management und die tierärztliche Arbeit festlegt. Fruchtbarkeitsprogramme sind für jeden Betrieb maßgeschneidert. Ein Standardprogramm, dass auf jedem Betrieb funktioniert, gibt es nicht. Einige Komponenten finden sich jedoch in jedem Programm wieder.

Freiwillige Wartezeit

Legen Sie die Freiwillige Wartezeit für die gesamte Herde fest. Die Dauer ist betriebsspezifisch und leistungsabhängig und sollte zwischen 45 und 65 Tagen liegen. Gute Fruchtbarkeitsergebnisse sind bei Besamungen ab dem 60. Tag nach der Kalbung zu erwarten. Befriedigende Fruchtbarkeitsergebnisse kann man ab dem 45. Tag erwarten. Zu dieser Zeit ist die Rückbildung der Gebärmutter in der Regel abgeschlossen. Die Tiere bullen aber noch undeutlich und häufig verkürzt. Weniger gute Erfolge sind vor dem 45. Tag zu erwarten. Die Kühe nehmen zwar auf, die Resorptionsrate liegt jedoch relativ hoch, sodass diese Tiere deutlich mehr Besamungen pro Trächtigkeit brauchen.

Foto: BrunstbeobachtungZeit für Brunstbeobachtung

Die Brunstbeobachtung ist von zentraler Bedeutung in einem Fruchtbarkeitsprogramm. Bestimmen Sie eine Person im Stall, die sich drei- bis viermal täglich 20 Minuten Zeit nimmt, um die Tiere während der Ruhezeiten im Stall zu beobachten. Besonders wichtig ist die Zeit nach 18 Uhr abends bis zum frühen Morgen. Hier treten 70 % der Brunsten auf. Denken Sie immer daran, dass jeder übersehene Zyklus Milchgeld kostet, dann fällt es Ihnen vielleicht leichter, täglich 1 Stunde oder länger "untätig" im Stall zu stehen. Brunsterkennungshilfen wie Pedometer oder das Aufkleben von Brunstpflastern kann Ihre Arbeit erleichtern. Schreiben Sie alle Brunsten in den Brunstkalender, auch die, die Sie vor Ablauf der Freiwilligen Wartezeit gesehen haben.

Tierärztliche Untersuchungen

Eine Rückbildungskontrolle nach dem Kalben, Eierstockskontrollen zu einem späteren Zeitpunkt und eine frühzeitige Trächtigkeitsuntersuchung sind häufig Bestandteile von Fruchtbarkeitsprogrammen. Zeitpunkt und Behandlungsstrategien fallen je nach Betrieb und Tierarzt unterschiedlich aus. Nicht brünstige oder nicht tragende Tiere werden durch die Einführung von tierärztlichen Routinekontrollen schnell erkannt und können umgehend behandelt werden. Das wirkt sich in der Regel positiv auf die Fruchtbarkeitskennzahlen aus.

  • Gebärmutterkontrolle (Rückbildung)
    Bei der rektalen und vaginalen Untersuchung 21 bis 28 Tage nach der Kalbung interessiert den untersuchenden Tierarzt vor allem, ob die Gebärmutter sich vollständig zurückgebildet hat und ob das Tier "sauber "ist". Tiere mit Ausfluss werden umgehend behandelt. Die derzeitige Therapieempfehlung besteht in der Injektion von Prostaglandin im Abstand von 14 Tagen.
  • Gebärmutter- und Eierstockskontrolle nicht brünstiger Tiere
    Tiere, die bis zum 80. Tag nicht in Brunst gesehen wurden, werden tierärztlich untersucht. In der Regel findet der Tierarzt zu diesem Zeitpunkt als Ursache inaktive Eierstöcke, Eierstockszysten oder einen Gelbkörper. Eine Behandlung wird eingeleitet und die Tiere werden zu einem festgelegten Zeitpunkt erneut vorgestellt.
  • Frühzeitige Trächtigkeits- untersuchung (TU)
    Alle Tiere, die vor mehr als 42 Tagen besamt wurden, werden auf Trächtigkeit untersucht. Mit dem Ultraschallgerät kann der Tierarzt schon ab dem 28. Trächtigkeitstag zuverlässig untersuchen. Bei der TU geht es vor allem darum, die nicht tragenden Tiere herauszufinden und umgehend eine Behandlung einzuleiten.
Selektionskriterien festlegen

Eine Kuh, die nach der Kalbung zu lange offen ist, sollte aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr besamt werden. Eine Güstzeit von 250 Tagen sollte dabei nicht überschritten werden. Dieser Wert gilt als Richtwert für die Herde und kann in Ausnahmefällen bei hochleistenden Einzeltieren überschritten werden. Weitere Selektionskriterien sind beispielsweise minimale Milchleistung oder die Anzahl erfolgloser Besamungen. Alle Kriterien sind betriebsspezifisch, sollten aber im Rahmen eines guten Managementplanes vorab festgelegt werden.

Kennzahlen überprüfen

Die Kontrolle der Fruchtbarkeitskennzahlen ist frühestens nach sechs Monaten sinnvoll. Eine erste Erfolgskontrolle anhand der Verteilung der Krankheitshäufigkeiten kann schon nach 4 Monaten erfolgen. Die Zahlen sollten sich im Vergleich zur ersten Beurteilung verbessert haben. Ist dem nicht so, besteht die Möglichkeit, das Fruchtbarkeitsprogramm zu verändern und entsprechend neuen Erkenntnisse anzupassen.

Hormonprogramme

Foto: BrunstsynchronisationBrunstsynchronisation: In den letzten Jahren sind verschiedene Möglichkeiten der Brunstsynchronisation erprobt und eingeführt worden. Arbeitstechnisch und wirtschaftlich sind solche Verfahren dann sinnvoll, wenn Tiere zu Gruppen zusammengefasst werden und somit die Brunstbeobachtung und Besamung zu planbaren Zeitpunkten stattfinden. Vorteile ergeben sich auch in Beständen, in denen die Brunstbeobachtung aus Zeitmangel oder sonstigen Gründen nicht optimal ist. Das Prinzip der Brunstsynchronisation besteht in der systematischen Prostaglandinanwendung (PG-Programme). Ein Beispiel: Natürliches Prostaglandin wird beginnend 14 Tage vor Ablauf der Freiwilligen Wartezeit zweimal im Abstand von 14 Tagen injiziert. Der Zyklusstand der Tiere muss dabei nicht unbedingt bekannt sein, sie sollten jedoch nach der letzten Kalbung mindestens einmal in Brunst gesehen worden sein. Das Gewebshormon bewirkt beim Vorhandensein eines Gelbkörpers die Rückbildung desselben mit nachfolgendem Follikelwachstum und Ovulation (Eisprung). Etwa 50-60% der Tiere werden nach der ersten Injektion in Brunst kommen, sie sollten jedoch noch nicht besamt werden. Vom 2. bis 5. Tag nach der zweiten Injektion sollte der Großteil dieser Tiere Brunsterscheinungen zeigen und entsprechend besamt werden. Die Freiwillige Wartezeit ist inzwischen abgelaufen. Der Grad der Synchronisierung einer gesunden Herde wird mit 90% angegeben. Neben den guten Besamungsergebnissen hat das 14-tägige Behandlungsintervall den Vorteil, dass der Tierarzt die Injektionen und ggf. Untersuchungen anderer Tiere immer am gleichen Wochentag durchführen kann.

Brunstsynchronisation mit Prostaglandin (Beispiel)
  • PG Tag 0:
    FR
  • PG Tag 14:
    FR
    SA SO
  • Intensive Brunstbeobachtung & Besamung Tage 17 - 21:
    MO DI MI DO FR
Foto: Rinder im StallOvulationssynchronisation

Mit dem Ov-Synch (Ovulationssynchronisations)-Verfahren kann der Eisprung bei Tiergruppen synchronisiert oder bei Einzeltieren (z. B. bei inaktiven Eierstöcken) ausgelöst werden, sodass terminorientiert besamt werden kann. Der wesentliche Unterschied zur Brunstsynchronisation besteht darin, dass auf die Brunstbeobachtung vollkommen verzichtet wird. Für die Durchführung des Verfahrens wird die Anwendung von Prostaglandin (PG) mit GnRH, einem Hormon zur Förderung des Follikelwachstums, kombiniert. In der Praxis wird Kühen am 1. Tag GnRH gespritzt, 7 Tage später PG und zwei Tage später noch mal GnRH. 16-20 Stunden nach der letzten Injektion werden die Tiere besamt, auch wenn sie keine deutliche Brunst zeigen. Der Erstbesamungserfolg nach Ov-Synch liegt bei Kühen zwischen 30 und 40 %.

Ovulationssynchronisation mit GnRH und PG (Beispiel)
  • GnRH Tag 0:
    MO 10:00 Uhr
    DI MI DO FR SA SO
  • PG Tag 7:
    MO 10:00 Uhr DI
  • GnRH Tag 9:
    MI 16:00 Uhr
  • Besamung Tag 10:
    DO 08:00 bis 22:00 Uhr
Checkliste Besamungszeit JA/NEIN
Freiwillige Wartezeit festgelegt  
Brunstbeobachtung optimiert  
Berechnung der Fruchtbarkeitszahlen  
Planung und Dokumentation des Fruchtbarkeitsprogrammes  
Regelmäßige Erfolgskontrolle