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Schmerzen
Haben Hunde wirklich Schmerzen?Um die Frage gleich zu beantworten: Ja!
Wissenschaftler stimmen überein, dass Tiere genauso Schmerzen empfinden wie wir Menschen, nur sie zeigen es anders. Dies liegt in Ihrer Entwicklungsgeschichte begründet. Der Hund als Rudeltier sinkt sehr schnell in der Rangordnung, wenn er "Schwäche" zeigt. Das bedeutend aber nicht, dass er Schmerzen anders empfindet. Er zeigt es nur unterschiedlich zu uns Menschen. Da Ihr Hund nicht sprechen kann, bleibt Ihnen als Hundehalter nur die Möglichkeit, ihn genau zu beobachten, um so Hinweise zu bekommen, ob er evtl. Schmerzen hat.
Verletzungen, operative Eingriffe und andere Erkrankungen, die dem Menschen Schmerzen bereiten, sind für den Hund gleichermaßen schmerzhaft und quälend. In solchen Fällen sollten immer therapeutische Maßnahmen ergriffen werden mit dem Ziel, die Schmerzen zum Wohle Ihres Tieres zu lindern und dadurch die Lebensqualität entscheidend zu verbessern.
Was ist Schmerz und wie entsteht er?Definiert wird Schmerz als eine unangenehme Empfindung und ein emotionales Erlebnis, das mit einem akuten und möglichen Gewebeschaden einhergeht. Jede Noxe (griech.: Gift), wie z. B. Wärme, Säuren, Laugen oder auch eine Verletzung, kann schädigend auf das Gewebe einwirken und eine Entzündung und Schmerzen hervorrufen.
Schmerzen werden durch Reizung sensibler Nervenendigungen an der Körperoberfläche und in den Organen hervorgerufen. Der Schmerz hat die Funktion, bei Schädigung des Organismus zu warnen. Doch übermäßig starke oder nicht behandelte Schmerzen schädigen den Organismus und können letztendlich auch zum Tode führen.
Neueste wissenschaftliche Untersuchungen beim Tier zeigen, dass Menschen, Vögel und Säugetiere über ein ausgeprägtes und gleich aufgebautes Schmerzsystem verfügen. Alle empfinden den Schmerz gleich und leiden auch darunter, doch das Verhalten ist völlig unterschiedlich.
Schmerzempfindung ist bei allen Säugetieren gleich ausgeprägt - es besteht kein AltersunterschiedHinsichtlich des Alters besteht bei der Schmerzempfindung kein wesentlicher Unterschied. Ein kleiner Welpe empfindet den Schmerz genauso wie ein ausgewachsener Hund, jedoch sind seine Möglichkeiten, dies zu zeigen, sehr limitiert.
Die Schmerzentstehung besteht aus mehreren Komponenten:
Jede Gewebszerstörung führt zur Freisetzung bestimmter Botenstoffe, durch die Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) und freie Nervenendigungen sensibilisiert werden. Grundsätzlich kann man zwischen zwei Schmerzqualitäten, dem hellen Oberflächenschmerz und dem dumpfen Tiefenschmerz, unterscheiden.
Der Oberflächenschmerz geht von den obersten Hautschichten aus, ist gut lokalisierbar und führt zu Flucht- und Abwehrbewegungen. Der Tiefenschmerz kommt im Inneren des Körpers zustande, ist nicht genau zu lokalisieren und führt weniger zur aktiven Abwehr. Dieser Schmerztyp hat besonders negative Auswirkungen auf verschiedene Systeme im Körper.
Eine Gewöhnung an Schmerzen tritt nicht auf, da Schmerzrezeptoren keine Anpassungsfähigkeit besitzen. Nur durch eine Unterbrechung der Schmerzleitung oder durch Ausschaltung des Bewusstseins kann die Schmerzempfindung unterbrochen werden.
Die Schmerzstärke ist abhängig von der Körperregion, in der
die Schmerzen entstehen.
- Starke Schmerzen treten bei Wunden im Bereich des Brustkorbes, des Oberbauches (vorderes Abdomen), des Auges, der Nasenhöhle und des Dammbereichs (Perineum) auf.
- Mäßige Schmerzen entstehen bei Wunden im Unterbauch (hinteres Abdomen) und an den großen Gelenken.
- Geringe Schmerzen resultieren aus Verletzungen und Operationen an der Körperoberfläche und den Gliedmassen.
Auch Schmerzen haben Nebenwirkungen: Schmerzen und besonders chronische Schmerzen wirken sich eindeutig negativ auf viele Körperfunktionen aus. Auch verzögert sich nach Operationen und Verletzungen die Wundheilung und Erholung des Hundes.
Die nachfolgenden Körpersysteme werden durch Schmerzen negativ beeinflusst:
- Herzkreislaufsystem: Durch Stimulierung des sympathischen Nervensystems (für die Regulation von Organfunktionen zuständig) werden Botenstoffe ausgeschüttet. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, einem erhöhten Sauerstoff-bedarf des Herzmuskels, Engstellung der Gefäße und einem Blutdruckanstieg.
- Atmungssystem: Eine schmerzhafte Atemtätigkeit, z. B. nach Verletzungen oder Operationen, führt zu einer flacheren und schnelleren Atmung. Mit jedem Atemzug wird weniger Sauerstoff aufgenommen, wodurch ein Sauerstoffmangel eintritt. Durch diesen Sauerstoffmangel und die zusätzliche Engstellung der Gefäße wird das Körper-gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Lunge selbst wird schlechter belüftet, was eine Lungenentzündung zur Folge haben kann.
- Magen-Darm-Trakt: Starke oder nicht behandelte Schmerzen äußern sich beim Hund sehr häufig in Erbrechen und/oder Durchfall, der sehr schnell blutig werden kann. Es kann aber auch das Gegenteil eintreten. In diesen Fällen wird die Magen- und Darmtätigkeit herabgesetzt, was zu einer Störung der Magenentleerung und zu einer Darmlähmung führen kann.
- Hormonsystem: Schmerz stimuliert die Ausschüttung des nierenwirksamen Hormons, wodurch weniger Urin ausgeschieden wird und eine Flüssigkeits-ansammlung im Körper und eine Verschiebung des Flüssigkeitsgleichgewichtes mit Gewichtszunahme eintritt. In der Nebenniere wird durch Schmerzen und Stress vermehrt Cortisol gebildet. Dieses Hormon bewirkt u.a. eine verzögerte Wundheilung und eine Abwehrschwäche.
- Nerven und Muskeln: Schmerzen können zu Zuckungen, Krämpfen, Zittern, Überempfindlichkeiten und Lähmungen führen. Auch haben sie einen negativen Einfluss auf das Temperament des Hundes. Schmerzen regen den Hund oft an, seine schmerzenden Körperregionen zu benagen. Es kommt zur Wundheilungsstörungen. Auch Selbstverstümmelungen sind möglich.